Ratgeber · Vorsorge · 21. September 2026 · von J. Nassar
Im Herbst kommen viele Patientinnen und Patienten wegen der Grippeimpfung in die Praxis – und der Impfpass liegt ohnehin auf dem Tisch. Ein guter Moment, einmal weiterzublättern: Denn bei Erwachsenen sind es meist nicht die großen Impfungen, die fehlen, sondern die Auffrischungen, an die im Alltag niemand denkt.
Impflücken entstehen selten aus Überzeugung – meistens einfach dadurch, dass der Pass zehn Jahre in der Schublade lag.— J. Nassar, Hausarzt in Bruchköbel
In der Kindheit ist der Impfplan eng getaktet: Die Untersuchungen beim Kinderarzt geben den Takt vor, und der Impfpass wird regelmäßig durchgesehen. Im Erwachsenenalter fällt dieser Rahmen weg. Gleichzeitig ist ein Teil der Impfungen darauf angelegt, wiederholt zu werden – der Schutz lässt mit den Jahren nach. Wer nicht aktiv nachschaut, verliert den Überblick fast zwangsläufig.
Hinzu kommt: Manche Empfehlungen gelten erst ab einem bestimmten Alter oder ab einer bestimmten Vorerkrankung. Sie tauchen also erst später im Leben auf – und ohne Anlass erfährt man davon kaum.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut sieht für Erwachsene eine Auffrischung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphtherie alle zehn Jahre vor. Der Zehn-Jahres-Abstand ist lang genug, dass er im Alltag untergeht – und kurz genug, dass viele Impfpässe eine offene Lücke zeigen. Tetanuserreger kommen in Erde und Staub vor; die typische Eintrittspforte ist eine kleine Verletzung im Garten oder beim Heimwerken, nicht die große Wunde.
Keuchhusten (Pertussis) gilt vielen als reine Kinderkrankheit. Tatsächlich erkranken auch Erwachsene, oft mit einem hartnäckigen Husten über Wochen. Die STIKO empfiehlt Erwachsenen daher eine einmalige Pertussis-Impfung – in der Praxis meist als Kombinationsimpfstoff zusammen mit der ohnehin anstehenden Tetanus-Diphtherie-Auffrischung. Besonders im Blick hat die Empfehlung Menschen, die engen Kontakt zu Säuglingen haben, etwa werdende Eltern und Großeltern.
Pneumokokken sind Bakterien, die unter anderem eine Lungenentzündung verursachen können. Die STIKO empfiehlt die Impfung allen Menschen ab 60 Jahren sowie – unabhängig vom Alter – Personen mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen oder einer Immunschwäche. Sie lässt sich häufig gut mit anderen Impfterminen verbinden.
Eine Gürtelrose (Herpes Zoster) entsteht aus Windpocken-Viren, die nach der Kindheit im Körper verbleiben. Die STIKO empfiehlt die Impfung mit dem Totimpfstoff allen ab 60 Jahren. Für Menschen mit einer Immunschwäche oder einer schweren chronischen Grunderkrankung gilt die Empfehlung inzwischen bereits ab 18 Jahren. Die Impfung wird in zwei Dosen im Abstand von einigen Monaten gegeben – man sollte sie also nicht auf den letzten Drücker planen.
Drei Punkte, die je nach Lebenssituation dazukommen können:
Die jährliche Grippeimpfung ist ein Thema für sich – Details dazu lesen Sie im Beitrag Grippeimpfung 2026/27. Wer eine Fernreise plant, findet die reisemedizinischen Punkte im Beitrag Reiseimpfungen vor dem Fernurlaub.
Das kommt häufiger vor, als man denkt, und ist kein Grund, das Thema liegen zu lassen. Impfungen, die sich nicht dokumentieren lassen, gelten in der Regel als nicht erfolgt. In vielen Fällen lässt sich der Schutz dann einfach nach Plan neu aufbauen – zusätzliche Impfungen sind dabei üblicherweise gut verträglich. Wir legen Ihnen einen neuen Pass an und tragen ein, was sich belegen lässt: aus unserer Kartei, über die Vorpraxis oder über den Betriebsarzt.
Meist ist der Check in wenigen Minuten erledigt. Welche Impfungen für Sie infrage kommen, hängt von Alter, Vorerkrankungen, Beruf und Lebenssituation ab – das ist genau der Teil, der sich nicht aus einer Tabelle ablesen lässt, sondern ins Gespräch gehört. Die Kosten der von der STIKO empfohlenen Impfungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel; bei privaten Versicherungen lohnt ein kurzer Blick in den Tarif.
Gut zu wissen: Der Impfschutz ist ein Baustein der Vorsorge. Einen Überblick über die Untersuchungen in unserer Praxis finden Sie auf der Seite Vorsorgeuntersuchungen, Hintergründe zur Gesundheitsuntersuchung im Beitrag Der Check-up ab 35.
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Über den Autor: J. Nassar
Facharzt für Allgemeinmedizin und allgemeine Chirurgie mit Zusatzqualifikation Notfall- und Ernährungsmedizin · Hausarzt in Bruchköbel. Mehr über die Praxis und den Arzt →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Welche Impfungen für Sie infrage kommen, klären wir individuell in der Sprechstunde.